Keine Angst vor… Asylbewerbern

von Lena Grundmann

Wie stellt man sich einen Asylbewerber vor ?
Genau, ich weiß eigentlich gar nicht richtig, was das für Menschen sind. Also habe ich mit zwei Menschen geredet, die seit geraumer Zeit versuchen, Bürger Deutschlands zu werden. Brooke und Tedesse kommen aus Äthiopien. Sie sind 24 und 29 Jahre alt. Beide lächeln mich an, als ich sie bitte, sie sollen mir erzählen, was sie hier machen, mitten vor dem Brandenburger Tor. Sie seien hier, um endlich als Bürger anerkannt zu werden, um endlich nicht mehr als Flüchtlinge zu gelten. Die jungen Männer gehören zur Gruppe „Refugees struggeling for Freedom“ die vor dem Brandenburger Tor, zwischen all den Touristen, in den Hungerstreik getreten sind, um ihr Recht auf Asyl durchzusetzen.

Demonstranten fordern die Freilassung politisch Inhaftierter.
Foto: Chadi Bahouth

Ich frage weiter, warum sie hier in Deutschland sind. Brooke erzählt, dass er in Äthiopien die falsche Partei unterstützt hat, die Opposition. Er saß im Gefängnis, erklärt er mir. Als sich dann die Möglichkeit für ihn ergab, fort zu gehen, hat er sie genutzt. Auch wenn er dafür seine Schwester und Mutter zurücklassen musste. Natürlich war das hart, sagt er mir, als ich ihn ungläubig frage, wie sich das anfühlt. Er lächelt mich dabei an, aber mehr sagt er dazu nicht.
Er kam mit dem Flugzeug nach Frankfurt. Warum gerade Deutschland ? Es hätte auch England sein können, oder sonst ein Staat in Europa, er wusste nicht, wohin die Reise geht, sagt er, Hauptsache weg.
Ich frage nach, ob der 24–jährige einen Traum hat. Er lächelt, sagt, er möchte studieren, irgendwas mit Politik. Vielleicht „political sciences“, wirft Tedesse ein.
Und dann? Wie soll es weiter gehen, möchte ich wissen. Dann kehre ich zurück nach Äthiopien und verändere mein Land als Politiker.
Das klingt eigentlich wie der Traum eines ganz normalen jungen Erwachsenen, der gefragt wird, was er aus seinem Leben machen will.

Zum Zeitpunkt des Interviews haben beide Männer 5 Tage lang nichts gegessen, 7 Tage ohne Nahrungsaufnahme und vor allem ohne zu Trinken sollen noch folgen, bevor  sich Vertreter der zuständigen Ämter zu Wort melden.

 

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