Finanzkrise, Verfassung durch Volksentscheid und Walfang

von Lea Bergmann

Ein politisch interessierter Mensch kommt an Island nicht vorbei

Island ist eine kleine Insel mitten im Meer und hat weniger als 400.000 Einwohner. Trotzdem fällt Island politisch auf? Doch warum? Und warum reagiert der Staat bei der Finanzkrise so komplett anders, als alle anderen betroffenen Staaten?

Lea im Flug

Ein halbes Jahr begebe ich mich auf Mission um diese Fragen und noch viel mehr für euch zu lösen und habe mich in eine hartgesottene isländische Farm-Familie eingenistet. Sie lebt direkt an einer Aluminiumfabrik und nur ein paar Kilometer von einem Wahlfanghafen. Mittlerweile ist bei mir schon Halbzeit angesagt, bin also schon drei Monate hier und so könnt ihr schon von einigen Erfahrungen auf meinem Blog lesen.

Do you think it will be work, that I can drive to Rekjavik tomorrow?“ frage ich Kidda, die Mutter der Farm-Familie„ I can´t say it now. Ask me again tomorrow a half hour before you want to drive.“

Eins habe ich hier sehr schnell gelernt, hier in Island ist es eigentlich nicht möglich irgendetwas zu planen. Isländer sind sehr sehr spontan und auch wenn es grade vielleicht noch hieß, dass wir in 15 min ins Freibad fahren, kann es sich schon wieder in zehn Minuten geändert haben und du rennst plötzlich über eine Wiese und versuchst Kühe auf das richtige Feld zu treiben.

Oder du kommst gerade vom Ausreiten nach Hause und auf einmal ist die halbe Familie am Taschen packen und erzählt dir, dass sie nun für ein paar Tage in den Norden zu den Großeltern fährt… Wann sie wieder kommen, kann dir keiner sagen, das klärt sich dann meist erst ein, zwei Stunden vor der Abfahrt im Norden.

Es sind auch ständig irgendwelche Gäste plötzlich hier, die vielleicht gerade auf einer Reittour hier vorbeigekommen sind und dann hier schlafen und am nächsten Tag sind schon wieder ganz andere Menschen hier.

Berge und Seen

Ich könnte sämtliche Beispiele nennen. Aber diese Spontaneität ist auch sehr praktisch und sozial, vor allem da sie hier in Island oft auch mit einer sehr großen Hilfsbereitschaft gekoppelt ist.

Einmal z.B. sind Kidda und ich im Parkhaus mit dem Auto stehen geblieben.. die Batterie war alle und Björn, der Familienvater war im Norden! Ein bisschen rumtelefoniert und innerhalb von 15 Minuten waren zwei Freunde von Björn da, die innerhalb von fünf Minuten unser Auto wieder am laufen hatten.

Lea am Wasserfall

Andersherum habe ich es auch schon erlebt. Abends beim melken hat ein Freund Björn angerufen und gefragt, ob er ihm beim Umzug hilft und nach einem sehr körperlich anstrengenden Tag sowohl für Björn als auch für mich, sind wir zwei nach dem melken ins Auto gesprungen und haben dem Freund noch beim Möbel schleppen geholfen.

Wobei wir bei dem Thema „auf dem letzten Drücker“ wären, denn wie bei Björns Freund wird nicht schon ein paar Tage vorher oder am morgen angefangen den Umzug zu planen, sondern an dem letzten Abend bevor er dann aus der Wohnung sein muss. Es könnte ja noch was dazwischen kommen.

Blumen, Eis, Weite und Berge

Anderes Beispiel: Seit Tagen beobachten wir schon wie eine kleine Herde von Kühen, die von ihrem Feld über einen kaputten Zaun geklettert sind, nun Richtung Meer wandert. Doch erst als sie einen zwei Stunden Weg von ihrem Feld entfernt sind und sie schon beinah an der Aluminiumfabrik knabbern, wurde dann ganz spontan eine Stunde vor dem melken beschlossen, dass ich die Kühe zurück treiben soll..

Aber: „There are no problems in Iceland, only solutions“, wie Björn immer das isländische Motto „þetta reddast“ übersetzt. Denn Isländer sind absolute Optimisten… Egal was alles schief läuft, nichts ist ein Problem!
Es fängt bei Kleinigkeiten an, z.B. habe ich grade am Anfang viele Fehler beim Treiben der Kühe in den Melkstand gemacht. Dann standen auf einmal sechs Kühe, von denen eine schon gemelkt wurde und eine in eine andere Gruppe gehört, im Melkstand! Naja und eigentlich sollten da auch nur fünf Kühe stehen… Aber es wurde ganz spontan improvisiert und es war nie ein Problem.

Hilfsbereitschaft, Zusammenhalt, Flexibilität durch Spontaneität und Optimismus? Sind das die Zutaten, um eine Wirtschaftskrise oder Vulkanausbrüche und andere Naturkatastrophen zu überleben.