Keine Angst vor… einem Leben ohne Smartphone

von Gözde Böcü

Immer erreichbar, immer auf Abruf, immer bereit ! So könnte das Motto unserer jungen modernen Gesellschaft lauten. Dank der zunehmenden Etablierung von sogenannten Smartphones (also: schlauen Telefonen) können wir – rein theoretisch – unseren Alltag vom Handy aus regeln: Emails versenden, Verabreden, Musik hören, Freud und Leid teilen und das Wetter checken. Eigentlich läuft heute alles, was das junge Herz begehrt, über das Smartphone. Über Abhängigkeit zu diesen kleinen schlauen Geräten möchte niemand wirklich reden. Bislang auch ich nicht. Das hat sich jetzt geändert.

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Vor einigen Wochen ist mir mein Smartphone am Flughafen Köln-Bonn aus der Jackentasche geflogen und das Display ist kaputtgegangen. Ganz so schlau war das nicht, denn ich hatte eigentlich alles Wichtige auf meinem Smartphone abgespeichert: Hoteldaten, Flugtickets und Wegbeschreibungen! Ich stand nun da: ohne alles, ohne Internet und ohne Kontakt zur Außenwelt in einer Stadt, die mir einfach fremd war. Und dachte mir: Das war’s mit deinem schlau.

Ein schlaues Telefon macht sowas doch nicht!

Wie auch immer, so kam es, das ich mein komfortables Leben mit Smartphone gegen ein Leben ohne Smartphone eintauschen musste und ich muss zugeben, dass das zu Beginn beängstigend für mich war. In den ersten Tagen ohne dieses schlaue Ding hatte ich ständig das Bedürfnis unterwegs diverse Posteingänge, Statusmeldungen oder Wetterberichte abrufen zu müssen. Lächerlich, dachte ich mir. Musste das sein? Ich zwang mich nicht mehr daran zu denken und verschob alles, was ich sonst mit dem Smartphone tat, auf eine Stunde am Abend am Computer. Mittlerweile, drei Wochen nach dem Unfall, fühle ich mich befreit. Ich habe mich daran gewöhnt, nicht ständig erreichbar zu sein und meine Freunde irgendwie auch. Meine Emails, Twitter, Facebook, die Nachrichten und alles Andere können auf mich warten. In dringenden Fällen nutze ich die altbewehrte SMS und betätige vermehrt die Anruf-Taste.

Ergebnis dieses ungewollten Selbstexperiments: Vor genau einem Monat waren mir Menschen ohne Smartphone zu wider. Bislang waren das für mich entweder Rentner, Hipster oder einfach Feinde des Fortschritts. Heute sind sie in meinen Augen Smartpeople (also: schlaue Menschen). Der Fall des Handys aus meiner Jackentasche war wie ein Befreiungsschlag für mich und ich weigere mich bis heute das Teil reparieren zu lassen. Zum einen, weil die Reparatur dieser teuren Geräte fast genauso teuer ist, wie das Gerät selbst und zum anderen, weil ich dieses tolle Gefühl meiner neuen Freiheit noch genießen möchte. Adieu, schlaue Welt!