„Wie aus dem Nachhaltigkeitsdreieck das Yolo-Hipster-Dreieck wurde“

von Melissa Büttner

(aus dem Blog der Pfingstakademie „An die Arbeit!? – Jugend zwischen Selbstverwirklichung und Leistungsdruck“ vom 6. bis 10. Juni 2014 im wannseeFORUM)

 

Unsere Generation steckt voller Gegensätze: Endlose Partys, Leistungsdruck in Beruf und Bildung, grenzenloser Hedonismus und Yolo oder doch lieber Nachhaltigkeit und Öko? Eine Abrechnung mit der eigenen Generation.

„Mit dem Wort Nachhaltigkeit assoziiere ich die Farbe grau, dabei sollte es doch eigentlich grün sein: hoffnungsvoll, positiv und jugendlich“, sagt Alessa, Teilnehmerin an der Pfingstakademie. Da haben wir es schon, das Problem mit der Nachhaltigkeit. Irgendwie liegt sie im Trend, und doch ist sie noch immer uncool – zumindest auf den ersten Blick. Wie aber macht man daraus einen spannenden Workshop? Dieser Herausforderung haben sich Vicky und Lorenz gestellt – jahrelang selbst Teilnehmer und Teilnehmerinnen auf der Pfingstakademie, jetzt auch Workshopleiter. Das Ergebnis: „Nachhaltigkeit für Dein Projekt“ – ein praxisnaher, abwechslungsreicher und spannender Workshop. Die Begriffsproblematik wurde gleich zu Beginn im Seminar aufgegriffen und zu einer Begriffswerkstatt gemacht, gemeinsam will man an einem neuen jugendlicheren Wort arbeiten. Aus dem doch eher langweiligen „Nachhaltigkeitsdreieck“ (siehe Bild) wurde dann ganz schnell das Yolo-Hipster-Dreieck – mit Schnurrbart wohl gemerkt!

Wie passen Nachhaltigkeit und Yolo zusammen?

Aber wie passt das zusammen, Nachhaltigkeit und Yolo? Yolo ist ein Akronym und bedeutet „you only live once“, also ein modernes carpe diem, eine Aufforderung das Leben hier und jetzt zu genießen, ohne sich zu viele Gedanken zu machen, schon gar nicht über die Zukunft. 2012 wurde der Begriff sogar zum Jugendwort des Jahres gekürt. Ist unsere Generation also eine Gruppe hedonistischer Egoisten? Aber was ist dann mit den Ökos? Und was mit dem neuen Bio- und Fairtrade-Hype?

Es scheint also verschiedene Richtungen zu geben, in die es Jugend von heute treibt, und beide sind Extreme mit Licht und Schatten. Wenn Yolo meint, nicht an morgen, nicht an die Zukunft, nicht an die Konsequenzen zu denken – Party hard und scheiß auf den Kater – klingt das zunächst ganz gut und spaßig, aber leider hat auch jeder Spaß Grenzen. Denn nicht an morgen zu denken heißt auch, nicht den eigenen Konsum zu reflektieren – und damit ist nicht nur der Drogenkonsum gemeint. Mit dem steigenden Konsum von Billig-Produkten, sei es bei Klamotten oder beim Essen, schaden wir unserer Zukunft – nachhaltig sogar. Doch das ist ein unbequemer Gedanke, der gerne ausgeblendet wird.

Wegwerfgesellschaft versus Bio- und Fairtrade-Boom: Was geht?

Aber nicht von allen. Denn parallel zu der Entwicklung in Richtung Wegwerfgesellschaft steigt auch die Beliebtheit, Bio- und Fairtrade-Produkte zu konsumieren. Neue Geschäftsideen entstehen, wie Supermärkte ohne Verpackungen, Vegetarier sind schon längst keine Hippies mehr und Strom wird nicht nur aus Kostengründen gespart.

Der ganze Kuddel-Muddel zeigt sich auch in Studien über die Jugend von heute. Laut der Sinus-Milieustudie U27 ist die Antwort auf die Frage, wie die Jugend von heute tickt, ganz klar unklar und lässt sich schnell beantworten: sehr unterschiedlich. Wir sind eine Generation voller Gegensätze, selbst innerhalb einzelner Gruppierungen. So wird beispielsweise die Gruppe der Hedonisten als ambivalent, zwischen Provokation und Sicherheit, beschrieben. Die Einstellung der sogenannten Modernen Performer, die bei 25 Prozent aller Jugendlichen dominant und prägend ist, ist ebenso widersprüchlich: „Der Lebensstil lässt sich als lustvoll und verantwortungsbewusst bezeichnen. Was in anderen Milieus Widersprüche sind, bringen sie unter einen Hut: Politik und Körperkult, Wirtschaft und Lifestyle, Ökologie und schnelle Autos. Geht nicht, gibt’s nicht!“

Auch das noch: Trend hin zu Gegensätzen in den Extremen.

Der Trend geht hin zu Gegensätzen in den Extremen und zu Versuchen, diese Gegensätze zu vereinen. „Es gibt auch Jugendliche, die individuell nach dem Motto yolo leben, aber gesellschaftlich und politisch sehr wohl auf Nachhaltigkeit achten“, erklärt Moderatorin Vicky. Und jetzt? Ist Nachhaltigkeit also doch cool, auch wenn man sie nicht beim Namen nennt, vielleicht auch gerade dann? Eine perfekte, jugendgerechte Antwort konnte auch der Workshop nicht geben. Sustainability klingt dann schon mal besser, aber so ist das eben mit den englischen Begriffen. Fest steht jedoch, dass uns das N-Wort alle in irgendeiner Weise etwas angeht, wie auch Moderator Lorenz zusammenfasst. „Man sollte Nachhaltigkeit aus einer jugendlichen Perspektive betrachten, denn schließlich sind wir es ja, die unser ganzes Leben noch vor uns haben“.