Wiese oder Beton: Was passiert mit dem Tempelhofer Feld?

Bis zum 12. Berliner jugendFORUM bereiten wir euch auf die Diskussionsthemen vor. Jede Woche bekommt ihr hier ab jetzt einen Überblick zu den einzelnen Themen. Den Start macht der Streit rund um das Tempelhofer Feld.

Foto: Tempelhof Projekt GmbH

Die einen kommen her, um entspannt ein paar Runden mit dem Rad oder den Inlineskates zu drehen. Eltern lassen mit ihren Kindern Drachen steigen, manche haben sich einen Fußball oder Badminton-Spiel mitgebracht, andere liegen einfach nur auf einer Decke in der Sonne. Viele, die ein bisschen Entspannung und Ruhe vom Großstadtleben suchen, kommen zum Tempelhofer Feld. Das Gelände ist seit der Stilllegung des Flughafens 2008 zu einem Symbol geworden: für ein Stück Stadt, das ihre Bürger frei und ohne Vorgaben gestalten, auf das bislang kein Stadtplaner und kein Investor Einfluss haben konnte.

So gilt das Tempelhofer Feld als größte innerstädtische Freifläche der Welt mit mehr als 360 Hektar. Die große Frage ist allerdings, wie lange das noch so bleiben wird. In der Vergangenheit gab es schon einige Ideen und Pläne, wie man die Fläche umgestalten könnte. Anfangs war zum Beispiel eine Schönheitsklinik im Gespräch, oder die Aufschüttung eines riesigen Berges. Durchgesetzt hat sich davon nichts. Im Mai 2008 wurde das Gelände erst einmal als Park für die Öffentlichkeit offiziell geöffnet.

Geht es aber nach der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt soll das ehemalige Rollfeld zum Teil zu einer Parklandschaft, zum Teil zu Stadtquartieren umgestaltet werden – wegen dem demographischen Wandel, wie es in der Projektbeschreibung heißt.

Viele Bürger demonstrieren bereits gegen mögliche Pläne, nach denen sie ihren Freiraum verlieren würde. Das Tempelhofer Feld in der Hand der Bürger Berlins – „ein Akt individueller Freiheit und unmittelbarer, ziviler Teilhabe am öffentlichen Raum“, beschreibt der Journalist Felix Stephan in einem Artikel auf Zeit Online, in dem er sich auf die Seite der Demonstranten stellt. „Die Lokalpolitik sollte sie einfach lassen“, plädiert er zum Schluss.

„Es ist ein Experiment, die Stadt hat das Feld geöffnet, die Menschen nutzen es. Ohne Masterplan, ohne Machbarkeitskonzept, ohne Umweltverträglichkeitsstudien. Es passiert einfach, und es scheint so, als wären die Bürger von ihrem eigenen Tun berauscht. Sie wollen ihr Feld nicht mehr hergeben. Wir, nicht die, sagen sie.“ So beschreibt der Journalist Maxim Leo den Zustand in einem Artikel in der Berliner Zeitung. Auch wie die Berliner Politik seit dem Spätsommer 2011 die Pläne für einen neuen Park aus der öffentlichen Diskussion herauszuhalten versucht habe, um potentielle Wähler nicht gegen sich aufzubringen, beschreibt er darin.

Grundsätzlich wolle die Stadt an ihren Plänen festhalten, schreibt Christian Latz in einem Artikel auf Neuköllner.net. – auch wenn die Gartenausstellung 2017 nun voraussichtlich vom ehemaligen Rollfeld nach Mahrzahn verlegt würde. Der neue Park soll demnach vor allem schattige Plätze bieten, Spiel- und Sportstätten sowie mehr Toiletten und Bänke. Zudem sollen Wasserelemente in den Park eingebunden werden.

Wie die Zukunft des Tempelhofer Felds aussieht, darüber ist wahrscheinlich noch lange nicht das letzte Wort gesprochen. Wer die Ereignisse und Meldungen der vergangenen Zeit nachverfolgen will, findet dazu eine sehr gute Übersicht auf der Seite Tempelhofer Park. Hier sind Links zu vielen interessanten Zeitungsartikeln verschiedener Medien aufgelistet.