Schlechtes Schulessen

Schüler und auch ihre Eltern beschweren sich vermehrt über das schlechte Essen an Schulen. Doch wer mehr Qualität will, muss dafür in der Regel auch mehr bezahlen. Elternvertreter und Politk streiten derzeit darüber, wer die Mehrkosten bezahlen soll.

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Aufbackbrötchen, Tiefkühlpizza, Billigfleisch und Fertigsoßen – solche Produkte könnten auf einer Liste stehen, die sicher viele Schüler gerne mal ihrer Schulkantine überreichen würden – als Protest gegen das vielerorts schlechte Essen. Immer mehr Menschen machen sich Gedanken darüber was sie essen, woher die Lebensmittel kommen, welche chemischen Zusatzstoffe darin verabeitet wurden, wie die Tiere gelebt haben, bevor sie geschlachtet wurden. Wer isst, will genau wissen, was auf den Teller kommt. Diese zunehmende Grundeinstellung macht auch vor den Türen zu Schulkantinen nicht Halt. Schüler selbst und auch ihre Eltern wünschen sich eine gesunde Ernährung.

Besondere Aufmerksamkeit bekam das Thema „Schulessen“ zuletzt Ende September. Ein Caterer, der in Berlin viele Schulen mit Essen beliefert, hatte mit dem Virus verunreinigte Tiefkühlerdbeeren verarbeitet. Die Früchte waren aus China importiert worden und gelangten über den Großhandel an die Catering-Firma. Allein in Berlin erkrankten über 2000 Kinder und Jugendliche an einem Magen-Darm-Virus. Der Verdacht fiel schnell auf das in Schulen ausgegebene Essen. Die Behörden und das Robert-Koch-Instituts, das bundesweit Infektionskrankheiten erforscht und überwacht, konnten durch eine fieberhafte Suche schließlich auch das Noro-Virus als Ursache feststellen und die Catering-Firma für die Erkrankungen verantwortlich machen.

Mehr Qualität fordert auch einen höheren Preis

Das Problem bislang liegt häufig darin, dass die Schulen das Essen von Cateringfirmen anliefern lassen und gar nicht selbst zubereiten. Das hängt natürlich mit den Kosten und Personal zusammen. Momentan ist Schulessen in Berlin sehr günstig: Nur zwischen 2 Euro und 2,45 Euro kostet eine Mahlzeit. Würde man Personal- und Betriebskosten abziehen, blieben für den reinen Wareneinkauf ungefähr 50 Cent übrig. Und das leuchtet jedem ein: Für 50 Cent Lebensmittel für eine vollwertige Mahlzeit zu kaufen, ist so gut wie unmöglich. Die Catering-Firmen müssen daher auf die günstigsten Lebensmittel zurückgreifen. Dabei geht eine vom Berliner Senat in Auftrag gegebene Studie davon aus, dass ein vollwertiges Essen mindestens 3,17 Euro kosten müsste.

Es steht fest: Das Essen soll besser, damit auch teurer werden. Aktuell ringen der Landeselternausschuss und die Senatsverwaltung für Bildung darum, wer die höheren Kosten bezahlen soll. Im Gespräch sind mehrere Modelle, eine Einigung ist aber leider noch nicht in Sicht.

Berliner Schule zeigt, dass es auch anders geht

Wie die Berliner Morgenpost schreibt, führte eine Privatschule in Mitte eine eigene Schulküche ein. Auch hier hatte man in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen mit dem von Großküchen gelieferten Essen gemacht. Über lange Zeit warmgehaltene Nudeln und Ähnliches werden pappig. Kartoffelbrei wird aus billigem Pürreepulver hergestellt. Manchmal ist das Essen  auch fast kalt in die Schule gekommen. Das soll ab jetzt anders sein. „Unsere Grundlage ist die Ernährungspyramide mit den Vorgaben für eine ausgewogene Ernährung“, zitiert die Berliner Morgenpost Schulleiterin Yvonne Wende.

Dass das nicht viel mehr kosten muss, zeigt dieses Beispiel auch. Der Preis für ein Essen in der eigenen Schulküche liegt nur leicht über dem Mindestpreis in der vom Senat in Auftrag gegebenen Studie. „Eine Schulküche spart Kosten für den Transport der Speisen in die Schule ein, wir haben keine überflüssige Bürokratie und machen keinen Gewinn“, sagt Florian Wende, Mitbegründer der Schule, laut Morgenpost-Bericht. Möglich war die eigene Schulküche jedoch nur, weil sich einige Eltern zusammen taten und das hauseigene Catering organisierten. Für viele öffentlichen Schulen nicht so leicht umzusetzen, denn hier existieren meist keine Räume, um darin eine Küche unterzubringen.