Berliner leiden unter steigenden Mieten

Die Mietpreise für Wohnungen in Berlin steigen immer weiter an. Viele Anwohner in der Innenstadt mussten deshalb bereits an den Stadtrand ziehen. „Mieten rauf, Menschen runter“ lautet deshalb auch der Titel der Diskussionsrunde zum Thema. Die Lage in der Stadt ist angespannt.

Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

Sie protestieren gegen die steigenden Mieten in Berlin. Seit Mai dieses Jahres haben die Mitglieder der Mieterinitiative Kotti & Co am Kottbusser Tor ein Protestcamp eingerichtet. Ihr Problem ist das vieler Berliner: Die Mieten ihrer Wohnungen in den Häusern des sozialen Wohnungsbaus steigen immer weiter. Immer mehr Nachbarn mussten bereits ausziehen, schreibt die Initiative auf ihrer Homepage. Die Häuser gehören den privaten Gesellschaften Hermes und GSW, die seit mehr als 30 Jahren Geld von der Stadt bekommen, um bezahlbaren Wohnraum anzubieten. Weil die Stadt diese Subventionen jetzt aber zurückfährt, erhöhen die Gesellschaften die Mieten kontinuierlich.  „Unsere Mieten sind inzwischen so hoch, dass jede zweite Familie hier 40-50 Prozent ihres Einkommens dafür ausgibt“, heißt es auf der Homepage.

 

Wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung Anfang dieses Monats mitteilte, werden die Mieten in deutschen Städten weiter steigen – besonders in den Städten Berlin, Hamburg, München und Frankfurt. Eine Steigerung bis zu zehn Prozent sei möglich, so die Forscher. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Berliner Zeitung hat in den vergangenen drei Jahren bereits jeder zweite Berliner einer Mieterhöhung bekommen.

 

Die Folgen sind bereits heute in Berlin zu beobachten. Immer mehr Anwohner in der Innenstadt müssen ihre Wohnungen verlassen und an den Stadtrand ziehen, wo die Mieten noch vergleichsweise günstig sind. Betroffen sind, wie der Tagesspiegel schreibt, beinahe alle Bezirke: Von Kreuzberg und Friedrichshain über Neukölln bis Prenzlauer Berg. Selbst in Wedding und Reinickendorf sei Wohnen heute teuer. Wie der Tagesspiegel in seinem Bericht weiter schreibt, gibt es fast in jedem Bezirk deshalb Kiezinitiativen, die sich gegen diese Entwicklung engagieren.

 

Knapper Wohnraum und Luxus-Sanierungen

Dabei gibt es vor allem zwei Gründe für die Entwicklung: Zum einen wird der Wohnraum knapp. Weil immer mehr Menschen nach Berlin ziehen, gibt es immer weniger freie Wohnungen. Darum steigen automatisch die Preise von denen, die noch übrig sind. Zum anderen treiben die aufwendigen Sanierungsarbeiten die Preise in die Höhe. Denn wenn ein Hausbesitzer seine Immobilien renovieren lässt, steigt in der Regel auch der Luxus-Wert dank neuer High-Tech-Küche und Wellness-Dusche im Bad.

 

Trotz schlechter Aussichten für Mieter in Berlin gibt es aber auch Beispiele, wie das Problem bekämpft wird. Im vergangenen September schlossen der Senat für Stadtentwicklung und die Vertreter der sechs landeseigenen Wohnungsunternehmen ein „Bündnis für soziale Wohnungspolitik und bezahlbare Mieten“. Damit sollen die Mieten für die 277.00ß Mieter der städtischen Wohnungsbaugesellschaften nicht mehr so schnell steigen wie in der Vergangenheit, wie die Berliner Zeitung schreibt. Mit dem Bündnis würden die Gesellschaften nun auf Mieterhöhungen und damit auf Einnahmen verzichten in Höhe von schätzungsweise 100 Millionen Euro in fünf Jahren. Außerdem will die Stadt mehr Geld in den Neubau von Wohnung investieren, um etwas gegen den Wohnungsmangel zu unternehmen.

 

Der Deutsche Mieterbund allerdings fordert den Staat auf, das Mietenproblem in die Hand zu nehmen. Wenn eine Wohnung neu vermietet wird, müsse es eine offizielle Grenze für Preiserhöhungen geben. Außerdem fordert der Verband Geld als Zuschüsse für den Neubau von Wohnungen, die sich auch Leute mit geringerem Einkommen leisten können. „Ohne Anreize, ohne steuerliche Förderung und entsprechende Förderprogramme wird das nicht funktionieren“, sagte Verbandspräsident Franz-Georg Rips dazu im Deutschlandradio Kultur.

COMMENTS

  • Betrifft alle Großstädte in DE, hauptsächlich Hamburg…

    gute Videoreportage dazu: http://www.veeds.org/2012/11/28/Deutschland-Student-ohne-Bude/

  • Klasse Reportage. Leider regelt der Markt (Angebot und Nachfrage) die Mieten und auch das Bündis in Berlin wird daran nichts ändern.
    Bezüglich der Mietsteigerungen von 10 % ist dass eine ziemliche Untertreibung.
    Berliner Immobilienmakler gehen von Preissteigerungen von 15-20 % aus. Da per Gesetz zum Beispiel die Vermittlung für Wohnraum in Zukunft der Vermieter tragen soll wird dieser die Provisionen und Zahlungen auf die Miete aufschlagen.
    Ein weiteres gutes Beispiel wäre die Mietzinssteigerung in Berlin-Weißensee vor ca. 12 Monaten noch bei 5-6 Euro/m² Nettokaltmiete, werden heute 8-9 Euro/m² Nettokaltmiete an gleichem Ort erzielt.

    MfG Hupe

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