Inklusion = Illusion? – Gastkommentar

Lambda :: bb will auf dem jugendFORUM dafür kämpfen, dass Inklusion keine Illusion bleibt. Als Jugendnetzwerk von lesbischen, schwulen, bisexuellen, transidenten und queeren Jugendlichen, vertreten sie ihre Interessen. Ihre Motivation und Argumente schildern sie in diesem Kommentar.

Foto: Gerd Altmann / pixelio.de

Inklusion! Ein (Fremd-)Wort, das als höchste Stufe einen wesentlichen Bestandteil einer Idee beschreibt und enorm viel für jede_n Einzelne_n bedeutet – aber häufig dennoch kaum verstanden oder in die Realität umgesetzt wird bzw. werden kann. Inklusion! Ein Zustand, bei dem alle Menschen mit ihrer Individualität von der Gesellschaft akzeptiert und aufgenommen werden und jede_r Einzelne die Möglichkeit hat, uneingeschränkt, barrierefrei und in vollem Umfang an dieser teilzuhaben sowie teilzunehmen. Inklusion! Ein Ansatz, der die Wertschätzung von Vielfalt in den Mittelpunkt stellt, Vielfalt und Unterschiede als Normalität versteht und die Buntheit einer Gesellschaft als zu lebende Realität anerkennt.

Mit diesen Idealen und Vorstellungen der Inklusion ist das Jugendnetzwerk :: Lambda Berlin-Brandenburg einerseits sehr eng verbunden, fühlt sich andererseits diesem Anspruch jedoch auch tief verpflichtet. Als derzeit einziger Jugendverband von lesbischen, schwulen, bisexuellen, transidenten und queeren (lsbt*q) Jugendlichen für lsbt*q Jugendliche setzt sich Lambda :: BB seit nunmehr 22 Jahren für die Gleichstellung und gegen Diskriminierung junger Lesben, Schwuler, Bisexueller, Trans* und queerer Menschen ein. Auch Lambda :: BB schätzt Vielfalt und versteht Unterschiede als Normalität, womit der Kernansatz von Inklusion selbstverständlich mitgedacht und gelebt wird.

Doch noch immer werden in der vermeintlichen Mehrheitsgesellschaft entgegen der Idee von Inklusion auch lsbt*q-Jugendliche häufig vergessen oder gar ausgeschlossen – und dies, obwohl Inklusion in aller Munde ist und kaum Eine_r mehr die Sinnhaftigkeit und Richtigkeit dieses Ansatzes bestreitet.

Inklusion spielt allerdings nicht nur in den vermeintlich dominierenden Mehrheiten der Gesellschaft eine entscheidende Rolle; auch Minderheiten müssen inklusiver werden und alle Menschen miteinbeziehen. Schließlich lassen sich Menschen nicht einfach nur in eine einzige starre Kategorie wie beispielsweise „hetero“ oder „homo“ oder „bi“ oder „mit handicap“ oder „ohne handicap“ oder „trans*“ zuordnen. Vielfalt geht eben auch davon aus, dass es bei Menschen gleichzeitig zu Überschneidungen von verschiedenen Kategorien kommt. So hat Lambda :: BB den Selbstanspruch, lsbt*q Jugendliche ohne und mit Handicap teilhaben zu lassen – an Gruppentreffen, an Projekten, spannenden Diskussionen und vielem mehr.

Doch gerade ein Jugendnetzwerk, dass zu einem Großteil durch Ehrenarbeit, Engagement und Fördermitteln getragen wird, kennt die teils große Lücke, die zwischen eigenem Anspruch sowie der Idee von Inklusion auf der einen Seite und Umsetzung in die Realität sowie selbstverständlich gelebte Inklusion auf der anderen Seite besteht. Finanzielle Engpässe oder das gegeneinander Ausspielen von Minderheiten ist leider in Zeiten der generellen Finanzmittelknappheit keine Seltenheit.

Dagegen machen wir uns stark und streiten auf dem jugendFORUM 2012, damit Inklusion keine Illusion bleibt! So fordert Lambda :: BB bereits seit dem Jahr 2011 ein queeres Jugendzentrum für Berlin – was es in vielen anderen Städten bereits gibt, in Berlin jedoch fehlt! Gerade die alltägliche Arbeit mit vielen lsbt*q Jugendlichen zeigt, dass eine landesweite Anlaufstelle in Form eines Jugendzentrums unabdingbar und dringend erforderlich ist; nicht zuletzt für tatsächliche Inklusion!

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