Alles Pussies? – Gastkommentar

Frau muss heute stets sexy sein, das führen uns gerade die Größen im Musikgeschäft vor – sagt das Centre Talma. Und fordert im Gastkommentar auch darüber zu diskutieren, welchen Einfluss solche Bilder auf Kinder und Jugendliche haben.

Foto: sunpic / pixelio.de

Dass Rapper uns in ihren Texten erzählen, was Frau zu tun hat , „Come fuck with a Nigga, Do it Doggystyle“ (Snoop Dog, Bitch Please) wie sie auszusehen hat, “she’s got a fat ass and some big tit (Gucci Mane, Plane Jane) und wie sie damit umgehen, wenn Frau nicht spurt, ist längst zum Alltag geworden. In den dazugehörigen Videoclips wird dies noch bildlich verstärkt. Das sich weltbekannte, preisgekrönte HipHop-Größen gerne mit leicht bekleideten, silikonbrustbestückten, sich willig rekelnden weiblichen Accessoires schmücken, gehört in der Szene längst zum guten Ton. Wer ein echter Mann ist, nimmt oder verkauft Drogen, ist gewaltbereit, meist homophob und hat eine Horde höriger Frauen um sich.

Wer eine Frau ist, soll bitte folgende Wünsche erfüllen: „Needa bitch that can Fuck, Cook, Clean, right“ (YG, Bitches Ain’t Shit). So soll die barbiepuppengesichtige, großbrüstige, immer leicht bekleidete Frau bitte mit lüsternd schmachtendem Blick in vollster Bewunderung und Unterwerfung dem starken Mann sein Leben versüßen. In der Musikbranche hat die Objektifizierung der Frau als Normalität Einzug gehalten.

Zu hören und zu sehen sind diese Botschaften für alle, überall. Kinder und Jugendliche hören die Songs im Radio auf Kanälen wie Radio Teddy, gucken die Videos im Fernsehen oder im Internet. Und dies meist vollkommen unreflektiert. Es lässt sich eben zu diesen Songs gut abgehen. Der Beat ist gut, der Flow gefällt, die Melodie ist einprägsam… Was da geredet wird ist eigentlich nicht so wichtig. Oder???

Die immer mal wieder laut werdende Kritik an den Inhalten der Texte und Videoclips der männlichen Stars lässt uns hoffnungsvoll auf die weiblichen Interpretinnen in R&B, HipHop und Pop schauen. In der Annahme hier würden wir zahlreiche Gegenentwürfe zu dem von Männern gezeichneten Frauenbild finden, stoßen wir auf Lied-und Bildmaterial von international gefeierten Musikgrößen wie Rihanna, Beyoncé, Britney Spears und Co. Mit Liedern wie SM (Rihanna), I´m a Slave (Britney Spears) und Dirty (Christina Aguilera) stürmen sie selbstbewusst, aber vor allen Dingen supersexy, knapp bekleidet und sich in jeder erdenklichen Pin Up-Pose räkelnd, die Charts. Frei nach dem Motto Who run the world – Girls (Beyoncé) vermitteln sie uns, dass die Frau von heute provokant, selbstbewusst und selbstbestimmt ist – aber bitte stets sexy.

Warum Frauen in der Musikszene sich immer wieder dazu entscheiden sich auf diese (sexuelle) Weise zu vermarkten; ob dies unter die Überschrift (sexuelle) Selbstbestimmung der Frau fällt und wie der Umgang mit solchen Inhalten in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen gestaltet werden sollte, bleibt zu diskutieren.