Wie können Schüler ihre Interessen in der Schule besser vertreten?

Was können Politiker tun, damit Lehrer ihre Schüler besser zur Beteiligung und Mitbestimmung an Projekten motivieren? Diese Frage stellte die Jugendorganisation „Werkstatt für Engagement und Partizipation“ (WEP) beim 12. jugendFORUM im Berliner Abgeordnetenhaus. WEP unterstützt Jugendliche bei der Verwirklichung eigener Projekte und war deshalb auch Themenpartner der Diskussionsrunde „Ratlos Wissende“. Hannes und Konstantin von WEP waren dabei, genauso wie die Politiker Thomas Kleineidam von der SPD, Stefanie Remlinger von den Grünen, Hans-Christian Hausmann von der CDU, Mari Weiß von Die Linke und Udo Lihs für die Piraten.

Foto: Lara Lippert/ polli-Redaktion

SPD-Mann Kleineidam sagte, dass die Beteiligung vor allem von den Schülern ausgehen muss. Ihnen müsse lediglich Mut gemacht werden, sodass sie merkten, dass man sie unterstützt. Den Satz „Das können die eh nicht!“, sollten Lehrer deshalb aus ihrem Sprachgebrauch streichen. „Warum laden Schüler bei Problemen nicht Abgeordnete in die Schule ein?“, fragte er. So könnten sie die nötige Unterstützung erhalten.

Stephanie Remlinger von den Grünen argumentierte dagegen: Die Politiker dürften nicht an die Schulen gehen. Die Schüler müssten ihre Interessen selbst in die Hand nehmen. Viele wüssten gar nicht, welche Möglichkeiten sie haben. Dieses Problem sprach auch ein Lehrer aus Friedrichshain an. Er sieht seine Aufgabe darin, seine Schüler zu unterstützen und ihnen ihre Möglichkeiten aufzuzeigen. Für die Kommunikation zwischen Lehrenden und Schülern sollte es darum mehr Klassenstunden geben, sagte er weiter. Denn wenn die Schüler über ihre Rechte nicht Bescheid wüssten, würden ihnen diese auch oftmals nicht eingeräumt.

In vielen Berliner Schulen ist das in der Tat Alltag. So könnte man keinesfalls von Gerechtigkeit reden, wenn nur zwei Schüler mit 60 bis 70 Lehrer in der Gesamtkonferenz sitzen, sagte die Gymnasiallehrerin Heike Schlatter. In einer solchen Situation hätten die Schüler keine Möglichkeiten, die Interessen ihrer Mitschüler zu vertreten. Das müsse geändert werden.

Udo Lihs, ein Vertreter der Piraten, will das Problem aus der Schule herausholen. „Wichtige Entscheidungen werden nicht in der Schule getroffen, sondern im Abgeordnetenhaus.“ Er schlägt deshalb ein Jugendparlament vor, das im Namen der Jugendlichen über Schulsituationen mitdiskutieren darf. Dagegen argumentierte Sascha, Vertreter des Landesschülerausschusses (LSA). „Die Schüler haben keine Zeit für ein solches Parlament.“ Auch wenn sie sich gern engagieren würden. So berichteten Mitglieder des LSA, dass sie Probleme haben ihrer Schulpflicht nachzukommen, wenn sie zu allen wichtigen Treffen erscheinen wollen.

Um Schüler über Politik zu informieren und ihnen Möglichkeiten zur Mitbestimmung darzulegen, war ein Politikunterricht schon in der Sekundarstufe 1 eine heiß diskutierte Möglichkeit unter den Gesprächsteilnehmern. Allerdings gibt es auch hier einige Probleme: Es herrscht Personalmangel und die eingestellten Lehrer sind schon voll ausgelastet. Des Weiteren fehlen Gelder oder man weiß nicht, wie man welche beschaffen soll.

Zu dem Geldproblem erklärte WEP allerdings, dass sie genug Geld hätten, um Schülern bei Projekten zu helfen. Es frage nur kaum jemand nach Hilfe. Mari Weiß von der Linken, die sich auch in ihrer Jugend schon politisch engagierte, ergänzte, dass es enorm hohe Fördergelder für Demokratie von und für Jugendliche gebe.

Am Ende der Diskussionsrunde sprach sich die Grüne Stefanie Remlinger für eine weitere Zusammenarbeit aus. Sie forderte die Jugendlichen in der Runde auf, die besprochenen Problempunkte wie Zeit- und Informationsmangel, und den Punkt Politik als Unterrichtsfach zu konkretisiert. Anschließend könnten die Ergebnisse im Bildungsausschuss als mögliche Tagesordnung vorgestellt werden. Die Moderatoren und Lilli und Paul haben Kontaktdaten mit Remlinger ausgetauscht und werden gemeinsam an einer Lösung arbeiten, um ein besseres Schulklima zu schaffen.

Geschrieben von Isabel Langner und Lina Potreck.