„Politiker sollen keine leeren Versprechungen machen“

Lilli, Paul und Gamze waren die Sprecher des 12. Berliner jugendFORUMs und haben damit sozuagen die Rolle des Präsidenten übernommen. Im Interview mit polliMAGAZIN erklären sie, was Politiker von Jugendlichen lernen können und wie es jetzt nach der Veranstaltung weitergehen soll.

Foto: Lara Lippert/ polli-Redaktion

polliMAGAZIN: Man hört, das Abgeordnetenhaus sei ein schlechter Ort zum Feiern?!

Lilli: Stimmt, das habe ich gesagt. Hier wird nämlich oft so eine unnatürlich Ernsthaftigkeit an den Tag gelegt, schon allein mit den  ganzen Sicherheitsleuten am Eingang. Und man darf im Plenarsaal nicht trinken!

Gamze: Echt schlimm. Ich habe dort die Diskussionsrunde „Soziale Ungerechtigkeit“ moderiert. Was glaubt ihr, wie anstrengend das war ohne einen Schluck trinken zu können. Immerhin hatte ich dafür den schönsten Raum.

Sollte das jugendFORUM besser an einem jugendgerechteren Ort stattfinden?

Paul: Nein. Wenn man an so einem Ort wie dem Abgeordnetenhaus mit den Politikern zusammen kommt, fühlt man sich als junger Mensch auch gleich viel mehr akzeptiert und in die Politik eingebunden.

Gamze: Genau, das Abgeordnetenhaus ist ja quasi das „Zuhause“ der Politiker. Und man bekommt hier als junger Mensch auch ohne Probleme einen direkten Draht zu den Abgeordneten.

Haben sich die Politiker auf die Jugendliche eingelassen?

Paul: Kommt auf den Politiker an. Je nach Parteizugehörigkeit haben sich die einen mehr engagiert und Bereitschaft gezeigt, mit den jungen Leuten zusammen zu arbeiten als andere.

Gamze: Ich glaube nicht, dass man es von der Partei abhängig machen kann. Sondern nur von dem einzelnen Menschen.

Lilli: Ich habe aber das Gefühl gehabt, dass eigentlich alle Politiker hier schon sehr gesprächsbereit waren.

Was wünschen sich Jugendliche von Politikern?

Lilli: Ich möchte, dass Politiker uns Jugendlichen nicht dauernd das Wort abschneiden. Wir sind immerhin keine geschulten Redner wie sie, darauf sollten sie achten.

Paul: Sie sollen keine leeren Versprechungen machen, sondern uns und unsere Themen ernst nehmen.

Was können denn Politiker von Jugendlichen lernen?

Paul: Ehrlichkeit. Viele machen ihre Meinungen zu sehr von der Parteidenke oder gesellschaftlichen Meinungsschwankungen abhängig. Kinder und Jugendliche sind dagegen für mich die ehrlichsten Menschen der Welt, was Politik angeht.

Lilli: Zielstrebigkeit. Wenn Jugendliche etwas wollen, ziehen sie es auch durch. Bei Politikern hat man eher den Eindruck, dass sie sich schwer tun konkrete Ziele zu setzen. Sie sind auch wenig entscheidungsfreudig.

Wie soll es jetzt nach dem jugendFORUM weitergehen?

Gamze: Ich hoffe, dass die konkreten Projekte und Ergebnisse aus dem Pro-Action-Café weiterentwickelt werden und so gezielt gegen bestimmte Probleme vorgegangen wird.

Paul: Dass die Moderatoren der einzelnen Diskussionsrunden sich auch jetzt nach der Veranstaltung verantwortlich für ihr Thema fühlen und dran bleiben. Sie sollen versuchen, dazu Jugendliche und Politiker noch öfters an einen Tisch zu bringen

Lilli: Es soll weitergehen. Es wird weitergehen.

 

Die Fragen stellte Lara Sogorski.