Ein Markenwert wie Coca-Cola

Über die Einzigartigkeit dieses Ortes waren sich alle Teilnehmer der Diskussionsrunde „Wiese oder Beton“ auf dem 12. Berliner jugendFORUM einig. Doch wie die Freifläche – so groß wie 845 Fußballfeldern – genutzt werden soll,  nicht.

Foto: Lara Lippert/ polli-Redaktion

„Das Tempelhofer Feld ist ein Schatz, der zu wenig geschätzt wird. Es kann nicht sein, dass immer alles ausverkauft wird.“ Die junge Frau, die das sagte, war entrüstet. Sie schien sich in der Diskussionsrunde „Wiese oder Beton“ auf dem 12. Berliner jugendFORUM alleingelassen zu fühlen. Keiner der anderen Teilnehmer, Jugendliche und Abgeordnete, wollte sich ihrer Meinung offenbar so richtig anschließen. Dass das Feld einfach so bleibt wie es ist.

Ein großer Teil der Gäste kam aus einer 10. Klasse der Morgensterngesamtschule in Friedrichshain-Kreuzberg und hatte ganz andere Interessen. Ein Mädchen aus der Klasse grief als erste zum Mikro, das vor ihr stand: „Ein Freizeitpark, der so cool ist wie der Hydepark, wäre doch die perfekte Zukunft des Feldes“, sagte sie. Doch auch dieser Wunsch stieß bei den vier Abgeordneten und den Themenpartnern auf taube Ohren.

Das Feld komplett in seinem jetzigen Zustand belassen oder einen Vergnügungspark bauen, Naturschutzgebiet oder Wohngebiet, Erholungsort oder Kulturzentrum – die Ideen zur Gestaltung des Tempelhofer Feldes sind so vielseitig, wie die Menschen, die in Berlin wohnen. In der Diskussion wurde das noch einmal sehr deutlich.

 

Tempelhofer Feld als 13. Bezirk

Die Themenpartner waren zwei Jugendumweltorganisationen, die gemeinsam mit dem vierköpfigen Moderatoren-Team die Diskussionsrunde vorbereitet hatten. Sowohl die BUNDjugend Berlin als auch die Naturschutzjugend (NAJU) waren mit mehreren Jugendlichen vertreten. Von den Parteien waren je ein Vertreter von der SPD-Fraktion, Bündnis 90/Die Grünen, CDU-Fraktion und Fraktion die Linke dabei.

Diese Mischung war Grundlage einer spannenden Diskussion. Einziger Konsens war die Einzigartigkeit des Tempelhofer Feldes. Ellen Haußdörfer von der SPD fasste es so zusammen: „Das Tempelhofer Feld ist der 13. Bezirk Berlins.“ Ihr Koalitionspartner Stevan Evers machte auch auf die große Historie aufmerksam: „Dadurch hat das Tempelhofer Feld einen Markenwert wie Coca-Cola. Es ist weltweit bekannt.“

Diese Historie geht bis ins 18. Jahrhundert zurück. Das Feld spielte unterschiedliche Rollen in der Geschichte Berlins: Zwangsarbeiterlager, militärischer Stützpunkt, Flughafen der Luftbrücke zur Zeit der Berlin-Blockade 1948-1949 und vieles mehr. Durch den Bau des Flughafens Berlin-Brandenburg International (BBI) wurde beschlossen die beiden Flughäfen Tempelhof und Tegel zu schließen. Für Tempelhof war es 2008 so weit. Seitdem wird die 300 Hektar große Freifläche als Freizeit- und Sportanlage genutzt: Zum Picknicken, Grillen, auf der Wiese liegen, Inlineskaten und Fahrrad fahren.

 

Politiker für neue Wohnungen

Das soll aber nach den Vorstellungen von CDU und SPD nicht so bleiben: Stefan Evers (CDU) und Ellen Haußdörfer (SPD) verteidigten den Plan der Regierung, den äußersten Rand des Feldes mit Wohnhäusern zu bebauen, um etwas gegen den Wohnungsmangel in Berlin zu tun. Dabei soll es eine „gesunde Durchmischung“ geben zwischen Wohnungen im unteren Preisniveau, Wohnungen für spezielle Gruppen (barrierearm oder generationenübergreifend) und frei bebaubaren Grundstücke. André Müller, Jugendvertreter der NAJU, ist kritisch. Woher solle man wissen, dass die Wohnungen auch bezahlbar bleiben, fragte er. Die Antwort von Stefan Evers: „Es wird bezahlbar sein. Die Frage ist nur, von wem“.

Auch Turgut Altgut von den Grünen und Marion Platta von der Fraktion DIE LINKE schließen eine Teil-Bebauung nicht aus. Doch betonten sie den sozialen Faktor der Pläne. So dürften nur Wohnungen gebaut werden, wenn sie später an einkommensschwache Haushalte vermietet würden, erklärte Altug. Platta möchte zudem die soziale Infrastruktur der umliegenden Bewohner stärken, indem Sportangebote, Schulen und Kindergärten gebaut werden.

Alle Wünsche und Ideen der Diskussionsteilnehmer wurden von den Moderatoren auf einzelne Zettel notiert. Am Ende hefteten sie die diese an eine Pinnwand, und jeder konnte mit zwei Klebepunkten seinen wichtigsten Wunsch markieren. Der Zettel „Soll so bleiben“ gewann mit 16 Punkten deutlich. Es folgten mit großem Abstand Grillplatz (9 Punkte), der Wunsch nach einer offenen Diskussion und der Freizeitpark (beide 7 Punkte).

 

Interessante Links: