Kommentar: Sind wir Schüler alle gleich?

Wie sozial ist das Schulsystem in Berlin, das nach der 6. Klasse nur die Wahl zwischen Gymnasium und Integrierter Sekundarschule lässt? Warum Lernstärke allein keinen guten Schüler ausmacht und ein Plädoyer für Gemeinschafts- bzw. Gesamtschulen.

Foto: Dieter Schütz / pixelio.de

Genau dies war ein Kernpunkt einer Diskussion auf dem 12. Berliner jugendFORUM 2012. In Berlin gibt es nur die Option nach der 6. Klasse zwischen Gymnasium und Integrierter Sekundarschule zu wählen. Meiner Meinung nach werden Schüler damit nach gut und schlecht sortiert. Nach dem Motto: Entweder man kann schnell und gut lernen und geht auf ein Gymnasium, oder einem fällt das Lernen schwerer und man gehört auf die Sekundarschule. So ein Schubladendenken ist falsch.

Auch wenn wir Schüler zwar ein unterschiedliches Lerntempo haben und unterschiedlich leistungsstark sind, können wir doch gemeinsam eine Schule besuchen. Verschiedene Niveaus lassen sich in einer Schule vereinen. Es gibt schließlich schon Schulen, die genau das geschafft haben. Solche Gemeinschafts- oder Gesamtschulen fördern vor allem die soziale Kompetenz der Jugendlichen, welche lernen müssen, dass ein leistungsschwächerer Schüler nicht weniger wert ist als ein lernstärkerer.

Manchmal hört man von Gymnasiasten Aussagen wie: „Mit solchen Asozialen gehe ich nicht auf eine Schule!“ oder „Guck mal wie dumm der ist, der weiß doch noch nicht mal, dass man sehr mit h schreibt“. Solche Sätze kann ich einfach nicht nachvollziehen und auch nicht akzeptieren. Es zeugt einfach nur von Arroganz. Dabei wird den Schülern oftmals schon in der Grundschule ein falscher Umgang miteinander und ein falsches Denken anerzogen. Zum Beispiel, dass Kinder, die aus ärmeren, sozial schwächeren, nicht so gebildeten Familien kommen, dumm seien.

Solche pauschalen Aussagen sind Quatsch. Vielmehr sollte man sich bewusst machen: Ein Schüler, der vielleicht nicht so schnell lernt, hat dafür woanders seine Stärken. Womöglich im Sport, in der Musik oder in der Kunst. Schnelles und effektives Aneignen von Wissen macht einen Menschen in meinen Augen zumindest noch nicht schlau oder gar intelligent. Man ist eben gut in einer Disziplin, was genauso zu achten ist wie alle anderen Fähigkeiten auch.

Mit der richtigen Sozialpolitik und mit Menschen, die sich für soziale Gerechtigkeit einsetzen für die Aussage „ Wir sind alle gleich!“, ist es möglich, gegen die Idee eines Zweiklassensystems anzukommen. Und die Gemeinschafts- bzw. Gesamtschulen durchzusetzen.