No mani gut – kein Geld, geschlossen.

Jugendclubs bekommen zu wenig Geld und in der Berliner Politik gibt es keinen Ansprechpartner für das Thema „Soziale Ungerechtigkeit“. Warum ist das so? Was kann man dagegen tun? In der Diskussionsrunde zum Thema versuchten Jugendliche und Politiker auf einen gemeinsamen Standpunkt zu kommen.

Foto: Lara Lippert/ polli-Redaktion

„No Mani gut – kein Geld, geschlossen“ – diese Worte zogen sich wie ein roter Faden durch die Vorstellung eines gemischtsprachigen Theaterensembles aus Berlin, Hamburg und Rumänien. Die jungen Schauspieler stellten das Problem „Soziale Ungerechtigkeit“ zu Beginn der Diskussionsrunde zum Thema auf dem 12. Berliner jugendFORUM exemplarisch dar: Ein Jugendclub nach dem anderen wird geschlossen, die Menschen gehen auf die Straße, die Regierung schlägt die Proteste nieder.

No mani gut – kein, Geld geschlossen. Sind die Worte des Jungen, der die Regierung darstellt. Weitere Proteste scheitern, die Jugendclubs bleiben geschlossen. Auch Zuschauer, die dazu geholt wurden, um ihre persönlichen Lösungsvorschläge zu präsentieren, scheiterten im Protestkampf gegen die Regierung. Die Lage scheint aussichtslos.

So sieht die aktuelle Lage für das junge Theaterensemble tatsächlich aus. Um darüber zu diskutieren, stellten sich drei Politiker den Fragen der Zuschauer und Vertretern von Berliner Jugendvereinigungen. Zu den Politikern gehörten Gernot Klemm von DIE LINKE, Karl-Heinz Nolte von der SPD und Marianne Burkert-Eulitz von der Partei Bündnis 90/Die Grünen. Als Jugendvertreter waren die Theaterwerkstatt, DIDF-Jugend und das Jugendtheaterbüro dabei.

 

Kein Ansprechpartner

Die Diskussion wurde von Christoph Leucht von der Theaterwerkstatt eröffnet. Er fragte,  warum von der ursprünglichen Geldmenge für soziale Jugendeinrichtungen nur 35 Prozent in die Jugendclubs investiert würden. Bei der Gesamtsumme handele es sich um eine Soll-Geldmenge. Das heißt, sie muss ausgezahlt werden, so stehe es auch im BGB. Es gebe deshalb auch bereits eine Sammelklage. Leucht beklagte außerdem, dass kein Politiker für das Thema „Soziale Ungerechtigkeit“ in Berlin als Ansprechpartner zur Verfügung stehe.

Die Stellungnahme der Politiker: Im sozialen Sektor würde derzeit am wenigsten gekürzt. Es sei also genug Geld vorhanden, das nur ungerecht verteilt würde. Denn der Senat bevorteile Kitas und Schulen, Jugendclubs ständen hinten an.

Die Jugendlichen waren empört. Denn Jugendclubs könnten viele Probleme lösen: Sie halten Jugendliche von der Straße, beugten so Jugendkriminalität vor. Warum also Jugendclubs schließen und ihnen das Geld kürzen?

Die Politiker entgegneten, so genannte „Sozialen Brennpunkte“ würden schon jetzt prozentual mehr Geld erhalten.  Gernot Klemm warf aber auch ein, wer mehr Leistungen vom Staat fordere, muss auch dazu bereit sein, mehr in den Staat zu investieren. Zum Beispiel über Steuererhöhungen, so Gernot Klemm.

Zum Ende der Diskussionsrunde kamen die Teilnehmer zu keiner gemeinsamen Lösung des Problems. Die jeweiligen Meinungen waren zu festgefahren, die Aussagen der Politiker für die Jugendlichen nicht zufriedenstellend. Marianne Burkert-Eulitz bot noch einige weiterführende Projekte für die Jugendlichen an.

 

Das denke ich:

Ich kann beide Parteien verstehen. Die Jugendlichen fordern, dass mehr Geld in ihre Einrichtungen investiert wird und beschweren sich zurecht über fehlende Ansprechpartner. Und die Politiker müssen mit den gegebenen Mitteln auskommen und verteilen, ob sie wollen oder nicht.

Das Problem betrifft dabei nicht nur Berlin, sondern ganz Deutschland. Die Hauptstadt sollte sich zum Vorzeigebeispiel für Jugendpolitik entwickeln, das Probleme am Schopf packen und die Jugendclubs wieder stärker in den Blick nehmen und ihnen mehr Handlungsraum geben. Aber nicht nur Kommunalpolitiker sollten sich mit dem Thema beschäftigen, auch die Bundesebene muss handeln. Es ist an der Zeit, gemeinsame Lösungsansätze auszuarbeiten und auch in die Tat umzusetzen. So dass wir den Satz „No mani gut – kein Geld, geschlossen“ so bald nicht mehr hören müssen.

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