„Man muss die Weite erleben, um sie zu begreifen“

Im Interview spricht Stefan Evers, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU und Sprecher für Stadtentwicklungspolitik, über die zukünftige Gestaltung des Tempelhofer Feldes.

Foto: Stefan Evers, CDU

polliMagazin: Herr Evers, Sie sind Mitglied im Ausschuss für Umwelt. Auf Ihrer Homepage kann man Sie im Kampf gegen die Miniermotte sehen, ein sehr umweltfreundliches Auftreten. Würden Sie sich selbst als Naturfreund bezeichnen?

Stefan Evers: Ja.

Waren Sie schon einmal in Ihrer Freizeit auf dem  Tempelhofer Feld?

Das Tempelhofer Feld habe ich bisher nur privat besucht und ich finde es großartig. Man muss diese Weite , um sie zu begreifen. Man muss sich diese dreiviertel Stunde nehmen und einfach mal von einem Ende zum anderen laufen. Wenn man sich diese Zeit nimmt, merkt man erst, warum der Name Tempelhofer Freiheit für dieses Feld gewählt wurde.

Steht der Name „Tempelhofer Freiheit“ dann nicht im Gegensatz zu ihrem Plan, dort einen Teil zu bebauen?

Der allergrößte Teil des Feldes soll in seinem jetzigen Zustand erhalten bleiben. Für eine Bebauung ist im Moment der Bereich zwischen den Rollbahnen und der Autobahn oder dem Columbiadamm in der Diskussion. Das heißt, die angedachte Bebauung ist nicht willkürlich, sondern leitet sich aus der Figur des Flughafens ab. Ich fordere jeden zu einem persönlichen Selbstversuch auf: Wenn man einmal durch das eventuell zu bebauende Gebiet läuft und im Vergleich dazu durch das nicht zu bebauende, gewinnt man ein Gefühl dafür, was für eine Weite das noch immer ist. Offensichtlich müssen wir das noch viel deutlicher machen und dazu einladen, sich selbst ein Bild zu machen. Ich denke, das hat viel mit Erleben zu tun.

Es gibt immer noch viele Gegner einer Bebauung. Wie wollen Sie diese überzeugen?

„Alles soll so bleiben, wie es ist“ klingt gut, doch das hat Berlin noch nie gut getan. Wir müssen uns auch dem Problem einer wachsenden Stadt stellen, also Wohnraum schaffen für die vielen Menschen in Berlin. Die Randbebauung des Tempelhofer Feldes ist eine Lösung dafür. Es wäre unverantwortlich ein so großes Areal nicht dafür zu nutzen.

Nun bin ich etwas verwirrt: In der Zeitung der CDU Tempelhof-Schöneberg habe ich gelesen, dass Feld soll in seinem jetzigen Zustand beibehalten werden. Wie kommt es zu diesem Widerspruch?

Erst einmal ist die Meinung der CDU in Tempelhof-Schöneberg nicht dieselbe wie die des Landesverbandes. Wir sind da in einem engen Dialog und nähern uns an. Auch in Parteien kommen verschiedene Meinungen vor.

Was wollen Sie noch an der Freizeitfläche verändern?

Es wird immer gesagt, das Feld werde von allen Berliner hervorragend angenommen. Wenn man aber genauer hinschaut, sieht man, dass sich nicht alle Gruppen angesprochen fühlen. Man sieht wenige Familien mit Kindern oder Senioren. Das liegt zum Beispiel daran, dass es kaum Spielplätze gibt, die Wege sind weit und es gibt kaum Sitzmöglichkeiten. Das wollen wir ändern, etwa Bänke aufstellen und Bäume setzen.

Was nehmen Sie aus der Diskussion zum Thema  „Wiese oder Beton“ mit?

Mich stimmt nachdenklich, dass viele gesagt haben, sie hätten von den Nutzerbefragungen und Abstimmungen rund um das Tempelhofer Feld nichts mitbekommen. Meiner Ansicht nach sind für keine Planung so viele Möglichkeiten zur Mitbestimmung zum Einsatz gekommen wie für Tempelhof: Nutzerbefragungen, diverse Studien für bestimmte Zielgruppe, städtebauliche Wettbewerbe, Ideensammlungen vor Ort und vieles mehr. Das stellt uns natürlich vor die Frage, wie Beteiligung der Öffentlichkeit noch besser gestaltet werden kann.

Ist es ein Problem, dass die Nachnutzung nicht von Anfang an klar war?

Ich hätte es zwar lieber gesehen, wenn wir vorher gewusst hätten, wie die Nachnutzung aussehen soll. Stattdessen ist man ein gewagtes Experiment eingegangen und hat gesagt: Wir machen einfach mal gar nichts und schauen, wie es wird. Zum Glück hat dieser Weg recht gut funktioniert, die Berliner haben ihre Möglichkeit genutzt.