Kind in der einen, Joint in der anderen Hand

Während der 63. Berlinale kommen wieder Filmliebhaber aus aller Welt in die Hauptstadt – in der Rubrik 14+ lief am Montag die Premiere von dem polnischen Film „Baby Blues“, ein buntes und authentisches Coming-of-Age-Drama, welches den Alltag einer 17-jährigen Mutter porträtiert

Foto: OnkiFlori / pixelio.de

Natalias Alltag war immer von Parties, Sex und Drogen gekennzeichnet, jetzt schiebt die 17-jährige einen Kinderwagen durch die Straßen Warschaus. Aber es läuft alles nach Plan, sie wollte das Baby und nun ist es da. Einerseits, weil es natürlich Spaß macht ein Kind zu haben. Es ist wie ein neues Accessoire, dem Natalia kleine Sonnenbrillen kauft und die Fingernägel lackiert.

Doch vor allem geht es darum, dass Natalia sich selbst verloren fühlt in ihrer Familie und nun etwas Eigenes hat, was sie lieben kann. Ihr Skaterfreund Kuba findet das Baby ganz süß, und bringt ihm ab und zu mit dem Joint in der Hand Ausdrücke bei. Auch ihre Freundin Martyna ist ihr keine große Hilfe, schleift sie zu Parties mit oder schiebt ihr zur besseren Laune Ecstasy in den Mund. Langsam zerbricht Natalias mühsam aufrechterhaltene Welt als Teeniemutter und findet schließlich ein tragisches Ende.

Die polnische Regisseurin Kasia Roslaniec wirft uns direkt in Natalias Alltag hinein, welcher aber entgegen aller Erwartungen gar nicht grau und trist ist. Natalia und ihre Clique scheinen alle wie aus einem Modemagazin entsprungen, immer aufwendig und verrückt gestylt. Die kleine Welt der Jugendlichen scheint wie aus einem Traum, überall bunte Farben, Hipster-Locations, grelles Licht, laute, schnelle Musik. Trotzdem bleibt der Film glaubwürdig, was aber auch sehr an der hervorragenden schauspielerischen Leistung der beiden Hauptdarsteller Magdalena Berus und Nikodem Rozbicki liegt. Wie schon bei ihrem erfolgreichen Regiedebüt „Shoppinggirls“ setzt die Regisseurin auf Debütanten.

Doch trotz der authentischen Verkörperung der Charaktere scheinen diese recht oberflächig und die Gespräche banal. Man kann sich natürlich fragen, ob es zwingend notwendig ist, die Problematik mit mehr Tiefe aufzuzeigen. Vielleicht sollte ein Porträt der Jugend sie so zeigen, wie sie wirklich miteinander umgehen, also direkt und einfach gestrickt? Bei der Frage nach der Botschaft des Filmes sagte die Regisseurin, es ginge ihr um den Egoismus und die Verantwortungslosigkeit, die die Menschen beherrscht. Und das scheint tatsächlich die erschreckende Wahrheit zu sein – die einem „Baby Blues“ vor Augen führt.

 

Der Film läuft noch am Samstag, 16.02 um 20 Uhr im Haus der Kulturen Kino und am Sonntag, 17.02 um 14.30 Uhr im Cubix 9. Mehr Infos gibt’s hier.